HealthHack19: Die Gesundheit der Zukunft mit gestalten

Vom 9. – 10.11.2019 fand im TRAFO Hub in Braunschweig der diesjährige HealthHack statt. Rund 50 Teilnehmer – Informatiker, Patienten, Kreative, Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen – haben ihren Ideen Raum gegeben und fleißig Lösungsansätze und Prototypen für das Gesundheitswesen von morgen entwickelt. Nach der Vorstellung der Ideen in Pitches am Samstagmorgen hatten die Teilnehmer bis Sonntag Zeit, sich in Kleingruppen zusammenzufinden und ihre Vorschläge bis zur Prototypenreife voranzutreiben. Insgesamt haben sich vier Teams mit sechs bis acht Teilnehmern gebildet. Nach der Projektvorstellung am Sonntag hat die Jury – unter ihr unser Kollege Wolfgang aus unserer Forschung & Entwicklung – ihren Sieger gekürt. Das Projekt „Sauerstoffcontroller“ (mehr dazu unten) kann das Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro jetzt nutzen, um seine Idee weiter auszubauen. Neben Jurymitglied Wolfgang haben noch unsere Kollegen Aylin, Nina und Tobi am HealthHack teilgenommen. Wie es ihnen gefallen hat, schildern sie am besten selbst:

Tobi: „Am Samstag früh ging es sehr entspannt los. Die Menschen trudelten nach und nach in den Räumlichkeiten ein, fanden erste Gespräche und frühstückten gemeinsam. Anschließend übernahm der Moderator das Wort und geleitete uns durch den Vormittag. Beginnend mit den Ideen-Pitches der Teilnehmer ging es anschließend in die ersten Gespräche der Interessengruppen. Jeder hatte die Möglichkeit, nochmal in Kleingruppen über die spezifischen Themen zu reden und erste Kontakte zu knüpfen. Nach kurzer Zeit wurde dann die Gruppenfindung abgeschlossen und die Aufteilung auf die Arbeitsbereiche/Tische vorgenommen. Hier kristallisierten sich vier Arbeitsgruppen heraus, die bis zum Schluss am nächsten Nachmittag durchhielten und ihre Ideen ausarbeiteten: Teils sehr konkret mit funktionierendem Prototyp und teils rein konzeptionell. Ich selbst habe mich nicht aktiv beteiligt, da mich leider weder das Thema noch die Ideen so sehr gepackt haben, dass ich da teilnehmen wollte. Stattdessen habe ich mich als stiller Zuschauer im Hintergrund gehalten, mit Menschen gesprochen und mich über die Ergebnisse gefreut. Ein Lieblingsprojekt in dem Sinne habe ich nicht, aber ich bin zufrieden mit der Entscheidung der Jury, dass das einzige Team mit funktionierendem Prototyp das Rennen gemacht hat. Allgemein fand ich das Event trotz allem sehr interessant und ich könnte mir vorstellen, an einem weiteren Projekt mit einem für mich faszinierenderem Thema auch aktiv mitzuarbeiten. Ich könnte mir vorstellen, dass das nächste Thema „Smart City“ mehr mein Ding ist. Vielleicht gucke ich mir das Anfang Dezember auch mal an.“

Aylin: „Ich fand den Healthack fantastisch organisiert und auch die rege Teilnahme hat mich begeistert. Die aufgekommenen Themen und Ideen haben einmal mehr gezeigt, dass wir im Gesundheitsbereich noch viel Basisarbeit zu leisten haben: Mir ist besonders aufgefallen, dass viele den Wunsch nach Informationsportalen oder Informationsplattformen zu Gesundheitsthemen hatten. Die Entwicklung vom „schicksalsergebenen“ hin zum „selbstbestimmten“ Patienten ist spätestens seit Dr. Google in vollem Gange und die Healthbranche bedient dieses Feld noch zu wenig. Die Menschen wollen wissen, wie es um ihre Gesundheit steht, was ihre Untersuchungsergebnisse bedeuten und wollen befähigt werden, bei ihrer Behandlung auf Augenhöhe mitbestimmen zu können.“

Nina: „Ich war auch schon im letzten Jahr dabei und fand es wieder total spannend zu sehen, wie sich die Ideen im Laufe des Wochenendes entwickelt haben und was am Ende dabei herausgekommen ist. Richtig cool war es, auch zu hören, was aus den Gewinnern des letzten Jahres geworden ist, die hatten eine Videobotschaft gesendet und dadurch zu merken, dass die Ideen nicht einfach im Sande verlaufen. Insgesamt war es eine tolle Atmosphäre mit vielen interessanten Menschen und kreativen Ergüssen.“

Wolfgang: „Die Verlagerung der Location in den Trafo Hub habe ich als sinnvolle Veränderung wahrgenommen. Die Veranstalter haben wie im letzten Jahr während der gesamten Dauer die Versorgung der Teilnehmer, Gäste und Sponsoren bestens organisiert. Die Atmosphäre war gelassen, aber fachlich versiert. Es boten sich gute Gelegenheiten zur ad-hoc-Teambildung. Zwei der Projektideen brachten im Prinzip Plattform-Ansätze für Themenfelder mit Health-Bezug hervor. Präsentiert wurden neben pfiffigen Foliensätzen auch Prototypen/Demonstratoren. Diese beschränkten sich auf vorgefertigte Click-Flow-Apps, zeigten aber den gewünschten Kontext und eine ordentliche Struktur für die Idee der Anwendung. Ein Projekt beschäftigte sich mit den Möglichkeiten des Einsatzes eines NFC-Implantats im Health – Kontext und hatte leider nur eher konzeptionelle Wucht. Es lag ein ordentlicher Entwurf für ein Story-Board vor, aus meiner Sicht hätte ich mir aber noch mehr Realisierungsanteil oder Prototyping gewünscht.

Gewonnen hat das Thema „Sauerstoffcontroller“. Problemstellung: Das Gerät, das den Patienten per Schlauch mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgt, steht für gewöhnlich stationär in einem Raum in der Wohnung (meist in der Küche). Befindet sich der Patient in einem anderen Raum und muss die Sauerstoffzufuhr erhöhen, muss er beispielsweise vom Schlafzimmer aus in die Küche, um dort manuell das Ventil zu bedienen. Hierfür galt es einen Motor, der das Ventil betätigt und eine Fernsteuermöglichkeit zu entwickeln, damit der Patient sich den Gang zum Gerät ersparen kann. Hier die wesentlichen Argumente aus der Jury-Runde (frei zitiert):

  •  Projektidee von einem Betroffenen
  • Idee mit sofort einsichtigem aktuellem Bedarf an Veränderung und hoher Praxisrelevanz
  • Interdisziplinäre Lösung, tatsächlich vollständig funktionsfähig realisiert:
    • Mit Holz-Befestigung auf bestehendem medizinischem Gerät vorbereitet
    • Mit Eisenwinkeln und viel Kabelbindern die Halterung für einen Steppermotor aufgebaut
    • Mit Arduino und PI eine Ansteuerung des Motors realisiert, eingebunden in ein lokales kleines Netzwerk
      • Serversystem programmiert zur Ansteuerung der Motorsteuerung
      • App für das Handy programmiert zur Regelung/Auslösung der Ansteuerung
      • mit 3D-Drucker einen Aufsatz für den Ventilschalter zum Verbinden mit dem Steppermotor gedruckt

Vom Schreiner über den Elektroniker bis hin zum Software-Entwickler wurde alles gemeinsam bearbeitet und fertiggestellt, obwohl sich keiner der Beteiligten vorher kannte. Das alles in kombination hat uns so begeistert, dass wir das Projekt zum Sieger erklärt haben.“